Wie der Grüffelo hilft, sprachliche und emotionale Hürden zu überwinden

Rupert-Egenberger-Schule – Sonderpädagogisches Förderzentrum Unterschleißheim

Ein Theaterstück auf die Beine zu stellen ist an sich schon ein wirklich mutiges Unterfangen für Kinder und Lehrerkräfte. Schließlich steht man nicht alle Tage vor einem Publikum, bestehend aus bekannten und fremden Gesichtern, und muss zeigen, was man in den letzten Wochen mühevoll einstudiert hat. In vielen Stunden wurde das Bühnenbild gestaltet, Texte gelernt und Kostüme gebastelt. Und ist der Moment gekommen, fällt das helle Scheinwerferlicht auf die Bühne und der große schreckliche Grüffelo versetzt die Zuschauer in Angst und Schrecken.

„Im Wald da hörte man niemand mehr. Die Maus knackte Nüsse und freute sich sehr.“ Damit endet die Geschichteüber eine kleine mutige Maus, die ihre Feinde nur mit Hilfe ihrer Cleverness in die Flucht schlägt. Das Publikum bricht in tosendem Applaus aus und die Kinder stellen sich mit strahlenden Augen dem Beifall. Hierfür haben sie so fleißig geübt.

An diesem Tag wird besonders einer ganz groß gefeiert: Nabil hat den Grüffelo so überzeugend gespielt, dass ihm jeder die Rolle des zotteligen Monsters geglaubt hat. Der kleine Junge ist ein großer Fan, seit er die Grüffelo-Geschichte zum ersten Mal in der Schule gelesen hat. Nabil ist 8 Jahre alt und in Afghanistan geboren. Seitdem seine Familie 2016 nach Deutschland geflüchtet ist, lebt er hier mit seiner Mutter und seiner großen Schwester. „Man könnte sagen, dass Nabil dank der Grüffelo-Geschichte Deutsch gelernt hat“, berichtet Monika Bernhardt, Nabils Klassenlehrerin. „Die einfachen Texte und einprägsamen Reime haben es ihm leicht gemacht. Und die Figur des Grüffelo, dem starken Begleiter der mutigen kleinen Maus, hat es ihm von Anfang an angetan.“ Nabil ist schlau und lernt schnell. Lesen gehört eigentlich nicht zu seiner Lieblingsbeschäftigung, doch die Geschichte des Grüffelo gefiel ihm so gut, dass er sich mittlerweile sogar traut, anderen laut vorzulesen. Er hat fleißig mit seinen Mitschülern geprobt und darf sogar die Rolle des Grüffelo übernehmen. „Nabil war so stolz. Der Erfolg hat ihm sehr gutgetan. Er ist als traumatisierter, schüchterner Junge in meine Klasse gekommen und in seiner Rolle als Grüffelo richtig aufgeblüht“, erinnert sich Frau Bernhardt.

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Mut tut gut – ist für uns …

Frau Bernhardt ist Klassenlehrerin an der Rupert-Egenberger-Schule des Sonderpädagogischen Förderzentrums Unterschleißheim. Neben Nabil sind in ihrer Klasse 11 weitere Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf in den Bereichen Sprache, Lernen und/oder emotional-sozialer Entwicklung. Wir möchten von Frau Bernhardt wissen, wie sie auf den „Mut-tut-gut-Wettbewerb“ aufmerksam wurde und wie sie das Thema Mut in ihren Unterricht eingebunden hat: „Wir haben uns einige Zeit intensiv mit dem Buch „Der Grüffelo“ beschäftigt. Die Kinder waren von Anfang an von der Geschichte gefesselt und so habe ich im Internet recherchiert, was es hierzu an pädagogischen Angeboten gibt. Daraus ist ein zweimonatiges Projekt entstanden, in welchem wir uns intensiv mit dem Thema Mut beschäftigt und mit welchem wir uns bei dem „Mut-tut-gut-Wettbewerb“ des Grüffelo beworben haben. Wir besprachen gemeinsam, warum die Maus in der Geschichte Mut beweist. Die Kinder malten Bilder zum Thema „Ich war auch schon einmal mutig!“ und schrieben dazu. Anschließend probten wir die Geschichte einige Wochen als Theaterstück und führten dieses auf unserem Sommerfest auf. Die Kinder bewiesen hier sehr großen Mut, da neben den Schülern und Lehrern der gesamten Schule auch viele Eltern anwesend waren. Auch hier thematisierten wir die Maus als unser großes „Mut-Vorbild“. Die Kinder hatten so viel Freude an dem Grüffelo, dass wir schließlich am Ende des Schuljahres das Buch noch als Stop-Motion-Film verfilmten. Die Kinder fertigten dafür Zeichnungen aller Figuren und des Waldes an. Anschließend spielten sie die Geschichte mit den Figuren nach und unser Film entstand.“

Eine ganze Klasse im Grüffelo-Fieber

Der Einsatz hat sich gelohnt, die Klasse wurde zum stolzen Monatssieger gewählt und freute sich sehr über ihren Gewinn. Dass Frau Bernhardt und ihre Schulkinder im „Grüffelo-Fieber“ sind, ließ auch nach ihrem Projekt nicht nach. Die Kinder entschieden sich dazu, an ihren Erfolg anzuknüpfen und bei der anstehenden Weihnachtsfeier „Das Grüffelokind“ auf die Bühne zu bringen.

Wir vom „Mut-tut-gut-Team“ des Grüffelo finden diesen Einsatz großartig! Es ist bemerkenswert, wie eine fantasievolle Geschichte zu einem starken Thema eine ganze Klasse motivieren und begeistern kann. Wir wünschen Nabil und seinen Mitschülerinnen und Mitschülern weiterhin alles Gute und ganz viel Mut bei allen schwierigen Aufgaben, denen sie sich in Zukunft stellen werden.

Sie haben auch eine mutige Gruppe vorzustellen? Alle Informationen zur Teilnahme am Mut-tut-gut-Wettbewerb gibt es hier: